Vereinschronik des Schachverein Balingen

 Am 20.04.1932 erschien im „Balinger Volksfreund“, Ausgabe Nr.91, folgendes Inserat:

Am 20.04.1932 erschien im „Balinger Volksfreund“, Ausgabe Nr.91, folgendes Inserat:

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Im Lokalteil der Zeitung war dazu folgendes zu lesen:

Im Lokalteil der Zeitung war dazu folgendes zu lesen:

Die Zusammenkunft war mehr als erfolgreich. Die Erschienen gründeten einen Verein und nannten ihn „Schachverein Balingen“.

Am 22.04.1932 in der Ausgabe Nr. 93, war zu erfahren:

Am 22.04.1932 in der Ausgabe Nr. 93, war zu erfahren:

Einige Wochen später, am 28.06.1932, fand schon die 1. Hauptversammlung statt, zu der 26 Interessenten erschienen waren. Zum ersten Vorsitzenden wurde Albert Buss, ein Jahr später Adolf Straub gewählt.

Im Volksfreund, Ausgabe Nr.131, war zu lesen:

Im Volksfreund, Ausgabe Nr.131, war zu lesen:

Und in der Ausgabe Nr.134, vom 11.06.1932 stand geschrieben:

Und in der Ausgabe Nr.134, vom 11.06.1932 stand geschrieben:

Der Verein spielte dann im Gasthaus „Schwanen“ (heute Volksbank), wo Großmeister Bogoljubow 1936 eine vielbeachtete Simultanveranstaltung gab. Ein reger Spielbetrieb mit den Nachbarvereinen setzte ein, bei dem sich die Balinger recht tapfer schlugen. Laut der Chronik des Albstädter Nachbarvereines fand am 1. Juli 1934 auch ein Fünf-Städte-Turnier in Balingen statt. Teilnehmer waren hier Ebingen, Tailfingen, Rottweil, Tübingen und Balingen. Über den Ausgang ist leider nichts bekannt. Bald aber machte der 2. Weltkrieg dem organisierten Spielbetrieb ein Ende und in der Nachkriegszeit waren alle Vereine zunächst verboten.

Auszug aus der Mitgliederliste des früheren Schachvereins Balingen

Aktive Mitglieder Passive Mitglieder
Karl Rogg, Balingen, Behrstr.Hans Schmidt, Balingen, Fotogeschäft
Walter Günther, Balingen, Rosenfelderstr.Robert Luippold, Balingen, Cafe Luippold
Ernst Mutschler, Balingen, Inselstr.Oskar Groner, Balingen, Gasthaus z. Lindenkeller
Julius Amann, Geislingen
Karl Raible, Balingen, Untere Kirchstr.
Max Ludin, Balingen, Gasthaus z. Engel
Christian Merz, Balingen, Schömbergerstr.
Otto Haas, Balingen, Goldschmied
Hugo Narr, Balingen, Prokurist, Hindenburgstr.
Friedrich Kuhn, Balingen, Baumeister
Richard Pfersich, Balingen
Albert Buss, Balingen, Ostdorferstr.
Walter Baum, Balingen
Hermann Haas, Balingen, Hofmannstr.
Erwin Haas, Balingen, Hofmannstr.
Adolf Straub, Balingen, Friedrichstr.

Anmerkung:

In früherer Zeit soll schon ein „Schachclub Balingen“ im Gasthaus „Fortuna“ gespielt  haben. Genaues weiß man aufgrund fehlender Unterlagen nicht. Fest steht: Am 23. Juni 1934 übernahm der SV Balingen das Spielmaterial des SC Balingen bestehend aus: 

  8 Schachspielen
  6 Decken
  1 Vorführbrett mit Figuren
  1 Turm (als Kasse)

Dafür wurden RM 13,50 bezahlt. Es quittierte ein Schachfreund namens Hans Elsäßer.

Neugründung 1947

Am 27.05.1947 wurde der Verein in der  „Torbrücke“  von Erich Pollermann neu gegründet, nachdem am 08.05.1947 durch eine Note der Militärregierung die Genehmigung erteilt wurde. Am 07.07.1947 wurde der Verein zugelassen, nachdem das Gründungsprotokoll in dreifacher Ausfertigung in französischer Sprache vorgelegt worden war und die politische Vergangenheit des Vorstandes für einwandfrei befunden wurde (Fragebogen).

Zwei kurze Meldungen im, noch spärlichen, Lokalteil des „Schwäbischen Tagblattes“:

Zwei kurze Meldungen im, noch spärlichen, Lokalteil des „Schwäbischen Tagblattes“:
Zwei kurze Meldungen im, noch spärlichen, Lokalteil des „Schwäbischen Tagblattes“:

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass im Gründungsprotokoll als Beisitzer Karl Mebold aufgeführt wird.

Bald blühte das Schachleben auf, aber vorerst mussten alle Versammlungen angemeldet  und um eine Verlängerung der Polizeistunde am Spielabend bis 24.00 Uhr (!) nachgesucht werden. 

Da es noch keinen Schachverband gab, mussten die Vereine ihre Spielgegner selbst suchen, und die Balinger spielten nach freier Vereinbarung mit den Nachbarvereinen Hechingen und Ebingen, aber auch mit Rottweil Schramberg und Tuttlingen. Korrespondiert wurde per Postkarte oder brieflich, da Telefonanschlüsse noch rar waren, heute unvorstellbar. Nach Gründung des württembergischen Schachverbandes spielte Balingen im Bezirk bald eine führende Rolle und stieg schon 1958 mit der 1. Mannschaft in die Landesliga auf.

20 jähriges Jubiläum

Aus dem „Schwäbischen Tagblatt“, Lokalteil „Balinger Volksfreund“ Anfang Okt. 1952 der Vorbericht:

Aus dem „Schwäbischen Tagblatt“, Lokalteil „Balinger Volksfreund“ Anfang Okt. 1952 der Vorbericht:

Und der Nachbericht:

Und der Nachbericht:

Hier geht ganz klar hervor, dass auch unsere „Altvorderen“ schon zu feiern wussten. Allerdings hatte diese Feier noch ein Nachspiel, dem es immerhin zu verdanken ist, dass der genaue Termin dieser Veranstaltung bekannt ist. Gefeiert wurde damals am 17.09.1952 im Gasthof Richard Lang, das damals auch Spiellokal war. 

Verantwortlich dafür war die „GEMA“ , die „nachträglich Kenntnis von Ihrer vorerwähnten Musikveranstaltung erhielt“ und feststellte, „dass Sie offenbar übersehen haben, unsere gesetzliche Aufführungsbewilligung hierfür einzuholen. Wir ersuchen Sie daher ...usw.“

Nach angemessener Bedenkzeit (vier Wochen), wie es sich für einen guten Schachspieler gehört, und einer zwischenzeitlichen Mahnung, wurde von Erich Pollermann folgendes Antwortschreiben aufgesetzt:

Nach angemessener Bedenkzeit (vier Wochen), wie es sich für einen guten Schachspieler gehört, und einer zwischenzeitlichen Mahnung, wurde von Erich Pollermann folgendes Antwortschreiben aufgesetzt:

Tja, Matt ist Matt!   In der Tat endete der Schriftwechsel hier.

Und er wirft ein anschauliches Bild auf die damaligen (Nachkriegs-) Befindlichkeiten. Kameradschaftsabende wurden in den 50iger und 60iger Jahren im Balinger Schachverein öfters abgehalten. Leider ist hier nicht sehr viel überliefert!? Dennoch, ein paar Anekdoten und „schöpferische Ergüsse“ einer späteren Veranstaltung werden noch folgen.

Soweit Teil 1 der Geschichte. 

Ich danke unserem Ehrenvorsitzenden, Fritz Gaiser, für die mir anvertrauten Unterlagen,

ebenso unserem Ehrenmitglied, Georg Schuler, dessen Ausführungen aus der Festschrift zum 50. Jubiläum ich weidlich genutzt habe.

Jürgen Muschkowski